[ Bücher für Jugendliche & Erwachsene - Vermutungen über ein argloses Leben ]

Vermutungen über ein argloses Leben Vermutungen über ein argloses Leben
Mit einem Protokoll von Gottfried August Bürger 1781
Fotografien von Kaspar Seifert


Das Protokoll stammt aus dem Jahr 1781. Sein Verfasser ist der Dichter Gottfried August Bürger, Amtmann im Dienst des adligen Gerichts derer von Uslar. Es geht um den Fall der Catharina Elisabeth Erdmann. Die junge Frau wird beschuldigt, ihr Kind getötet zu haben. 200 Jahre später rekonstruiert Herbert Günther, wie es zu den Ereignissen am Morgen des 6. Januar 1781 kommen konnte. Wer war Catherina Elisabeth Erdmann? Wovon träumte sie, und wie sah ihre Wirklichkeit aus? Was brachte Catharina dazu, die Tat zu begehen, für die sie sich vor Gericht verantworten musste? In sechs Episoden zeichnet Herbert Günther das Leben der jungen Frau nach, bis zur Tat. Dann setzt das Protokoll Gottfried August Bürgers ein. Roman und protokollierte Wirklichkeit gehen ineinander über. "Wirklich gelebtes Leben gerinnt zu Prozessakten und zu Literatur. Es aufzuspüren bleibt unsere Aufgabe, um der eigenen Lebendigkeit willen."

Stimmen zum Buch:

... Herbert Günther versucht den Abgrund zwischen Prozessakte (die von Bürger unterzeichneten Protokolle werden im Anhang wiedergegeben) und Gedicht zu überbrücken - durch geduldige und genaue Rekonstruktion des wirklich gelebten Lebens, das beiden Zeugnissen zugrunde liegt. Dies ist ihm in bewundernswerter Weise gelungen. Er erzählt die Geschichte der Catharina Elisabeth Erdmann, und es ist nicht nur bei "Vermutungen" geblieben. Freilich, kein flacher Zauber spiegelt das Ferngerückte als ohne weiteres zugängliche Nähe vor (eine Gefahr, die vormals der sogenannte historische Jugendroman so wenig entging wie heute die das Gestern beschwörende Fernsehserie). Ohne das Befremden und Nachdenken zu verhindern, ermöglicht Herbert Günthers Erzählkunst Anschauung und Teilnahme - in der Vergegenwärtigung eines exemplarischen Ausschnitts aus einer gar nicht lange zurückliegenden Epoche, die den meisten der jungen Leser höchst sagenhaft vorkommen und in der ihnen doch ein Stück ihrer eigenen Herkunft begegnen wird.
Albert von Schirnding in SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Herbert Günther sagt von sich, er sei ein langsamer Schreiber. Ich möchte das modifizieren: Er ist ein bedächtiger Autor, ein sorgfältiger Formulierer, ein genauer Schriftsteller... Ganz in der Nähe des Tatortes ist Herbert Günther aufgewachsen. Vielleicht verfügt er daher über eine besondere Sensibilität, sich in die Menschen und die Landschaft, in die Eigenart des Ortes und die Verstrickungen der Schicksalsfäden hineinzufühlen. (Kaspar Seiferts Photos sind mehr als Buchschmuck: sie sind optische Orientierungshilfe.) Herbert Günther erzählt Catharinas Leben. Er sagt: Vermutungen. Das ist redlich. Die Träume und Ahnungen sind ihm genauso Wirklichkeit wie die überlieferten Aufzeichnungen. Dann, als Catharina ihr Kind getötet hat, lösen Gottfried August Bürgers exakte Prozess-Protokolle die Mutmaßungen und Wahrscheinlichkeiten ab. Das geschieht nahtlos. Der waghalsige Versuch einer Collage literarischen und historischen Materials ist gelungen. Die Verlagsbezeichnung "Roman" behagt mir nicht. Man sollte dieses Buch einfach Buch nennen. Es ist ein spannendes und ergreifendes Buch.
Jo Pestum in DIE ZEIT

... Entstanden ist ein beeindruckendes Buch, eine Mischung aus Dokumentation und Roman. Anhand historischer Fakten fühlt sich der Autor in das Leben einer jungen Frau ein, die, um die "Schande" zu verbergen, zu einer Tat getrieben wurde, auf die im 18. Jahrhundert die Todesstrafe stand ... Diese "Vermutungen" hat Günther in einer behutsam historisierenden, poetischen Sprache ins Bild gesetzt. Einfühlsam rekonstruiert er Gefühle, Ängste und Hoffnungen einer vergangenen Zeit, die uns dennoch nicht fremd sind, weil auch wir noch nicht so "aufgeklärt" sind, um immer das Richtige zu tun. Hans J. Schütz in ESELSOHR

240 Seiten
ISBN 3-88452-788-6
Erich Goltze Verlag Göttingen
www.goltze.de

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Eine Kurzbiographie von Herbert Günther über Gottfried August Bürger findet sich auf der Webseite des Förderkreis deutscher Schriftsteller in Niedersachsen und Bremen www.keintagohnezeile.de (Niedersächsische Klassiker).

- Seit dem Mai 2003 findet man diesen Text auch in der Anthologie:
Klaus Seehafer (Hrsg.)
Dichter, Denker, Eigenbrötler
30 niedersächsische Klassiker
ISBN 3-934927-41-6
240 Seiten
Leda-Verlag


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Aktualisiert: [ April 2021 - Zwischen den Zeilen , Übersetzungen , Aktuelles]
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